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Traupredigt   -  Christliche Ethik

1. Korinther 16, 14:  Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!
 
Liebe Hochzeitsgemeinde
 
Ein altes Märchen erzählt, wie ein junger, wissbegieriger König die Gelehrten seines Landes beauftragt, für ihn alles Wissenswerte der Welt aufzuschreiben. Sie machen sich bald an die Arbeit. Nach vierzig Jahren legen sie das Ergebnis in tausend Bänden vor. Der König, der inzwischen schon siebzig Jahre alt war, sagte: "Tausend Bände kann ich nicht mehr lesen. Kürzt alles auf das Wesentliche."
Die Gelehrten machten sich erneut an die Arbeit und fassten das Wichtigste in einem Buch zusammen. Sie kamen damit, als der König schon im Sterben lag. Dieser wollte wenigstens noch das Wesentlichste aus der Arbeit der Gelehrten erfahren. Da fasste der Vorsitzende der Gelehrtenkommission das Wesentlichste der Geschichte der Menschheit in einem einzigen Satz zusammen: "Sie lebten, sie litten, sie starben, und was zählt und überlebt ist die Liebe."
Eine solche Zusammenfassung am Schluss eines langen Briefes ist auch euer Trauspruch: "All eure Dinge lasst in der Liebe geschehen". Das steht so ziemlich am Ende des 1. Korintherbriefes  als die Summe christlicher Ethik.  Dazu folgt dann noch, nach vielen Grüßen, eine praktische Empfehlung,  nämlich: "Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss."
Ich denke das werden wir heute hier auch noch sehen, beim Brautkuss, öffentlich vor Gott und der Welt und sanft mit Musik untermalt: "Can’t help falling in love."
Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss – da meint  Paulus allerdings nicht nur das Brautpaar. Auch sie da hinten dürfen sich küssen, wenn sie sich mögen. Sie dürfen, sie haben die Freiheit dazu, aber sie müssen  nicht.
„All eure Dinge lasst in der Liebe geschehen“ – da gehört ja auch Taktgefühl dazu und Sensibilität für den anderen. Gelegentlich auch der Mut und die Kraft Nein zu sagen und den Allzuaufdringlichen in die Schranken zu weisen.
Nicht aus Zwang sollen die Dinge geschehen sondern aus  Freiheit. Liebe ist eine freiwillige Bindung. Nicht weil ihr müsst, nicht weil irgendwelche Konventionen es erzwingen, sondernweil ihr Lust. habt seid ihr heute hier.
 
Zur Liebe gehört die Lust – manchmal auch die Streitlust.
Der 1. Korintherbrief ist der leidenschaftlichste aller Paulusbriefe,  auch weil der Apostel darin mit der vom ihm geliebten Gemeinde einiges  auszufechten hat. Da sind Leute, die sich beim Abendmahl sinnlos betrinken, andere haben denen, die wegen der Arbeit  später zum Fest kommen, das Brot weggegessen. Ein Sohn hat sich  an die Frau seines Vaters herangemacht hat, dazu gibt es heilloses Parteiengezänk in der Gemeindeversammlung, elitäres Gehabe der Gebildeten oder auch nur Eingebildeten, Streit um den Haarschnitt und die Fleischsorte.  Die Frage taucht auf, ob dem Christen denn wirklich alles erlaubt ist, wie ist es mit der  Ehescheidung steht wenn der Partner nichts von der Liebe hält, und nicht zuletzt die Frage, ob es überhaupt gut ist zu heiraten, wo das doch bekanntermaßen nicht immer gut geht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein weiteres  Problem.  
Paulus arbeitet die Fragen Fall für Fall ab. Doch gute Ethik besteht nicht nur in Kasuistik, also Gesetzen, die jeden Fall einzeln regeln. Es gehört vor allem eine gründliche Überzeugung dazu. Religion - sagen spätere Zeiten, Sinn und Geschmack für das Unendliche, in dem unser zeitliches Leben ruht. Was ist das, was uns hält und trägt in allen Veränderungen?  Was besteht, wenn alles andere vergeht? „Was zählt und überlebt ist die Liebe“, glauben wir als Christen und gründen darauf den ehewigen Bund, die Ehe. 
Das ist unser Credo, auch wenn, wie bei der Rose im Winter, die Blüten nicht immer zu sehen sind und es manchmal ziemlich kalt und  tot aussieht.  Die Gestalt der Liebe verändert sich. Manchmal ist sie unter dem Gegenteil versteckt, aber sie hört nicht auf. Sie ist das was uns bleibt, auch wenn alles andere vergeht.
Eine der Veränderungen, der Metamorphosen der Liebe habt ihr selbst erlebt. Von der Grundschulfreundschaft, über das Miteinandergehen bis hin  zur Hochzeit, wo sie nun im schönsten Kleid zu sehen ist - die Liebe.
 
 Aus solchem Glauben an die Himmelsmacht folgt die entsprechende Ethik: „“All eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!“  „Liebe – und dann tu was du willst!,“ so bringt das später der Kirchenvater Augustin auf den Begriff.  Das öffnet für all unser Handeln und Tun einen großen Freiraum: Liebe und tu was du willst!
„Jetzt können wir tun und lassen was wir wollen, ab sofort ist alles erlaubt,“  folgern deswegen schon Einige in Korinth. Sie geben damit den Anlass zu dem Brief des Paulus. Seine Antwort:  Ja, das ist so, alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt, nicht alles baut auf.
Zur Liebe gehört  die Verantwortung für den anderen. Ihr seid füreinander verantwortlich. Bei aller Liebe, achtet so aufeinander, dass einer den anderen aufbaut..
 
Wir spielen das bei dieser Hochzeitsfeier schon mal durch.
Also – etwas Spannung muss sein: Kommt sie oder kommt sie nicht? Sie hat die Freiheit auch nicht zu kommen, aber erbaulich ist dieser Tag  nur wenn sie kommt.  Sind die Eltern mit dieser Verbindung einverstanden? Iist der Vater so frei, sie aus der Hand zu geben?
Das Morgenlicht einer neuen Schöpfung leuchtet, auch wenn der neue Mensch  erst ein paar Tag später, am 6. Schöpfungstag entstehen wird - jedenfalls in der biblischen Geschichte  Heute haben wir schon mal das Licht eurer Traukerze entzündet. 
Was ihr in einem intimen Moment eurer Geschichte nur euch beiden versprochen habt, ereignet sich noch einmal vor aller Welt. Ihr steht hier im schönsten Schmuck in einem Raum, der euch mit vielen Generationen vor euch verbindet und in den hinein zukünftige Generationen wachsen können.
Glocken verkünden das Ereignis im Ort. Später wird auf der Strecke auch die eine oder  andere Autohupe  bezeugen: Was zwischen euch geschehen ist, verlangt nach Veröffentlichung . Auch wer sonst kein Verständnis für Autohupen hat wird bei zwei Ereignissen  doch tolerant. Entweder wenn die Nationalmannschaft  das Finale gewonnen hat, oder wenn an einem Tag wie heute die Liebe über alle Zweifel siegt.
Zum Tausch der Ringe - der Bindung in Freiheit - empfangt ihr Gottes Segen, Kraft und Stärke von oben.
Weil es um alle Dinge geht gehören heute hier auch alle dazu.  Verwandtschaften und Bekanntschaften begegnen sich.  In die Kirche als öffentlicher Ort ist jeder eingeladen. Ein jeder hat die Freiheit, Zeuge des Ereignisses zu sein.
Mancher, der das sieht, möge darüber auch selbst Lust zum Heiraten bekommen. Die Liebe will weiter gehen, übergehen, auch anderen Lust machen auf ein gemeinsames Leben.  Sie ist  überfließendes Dasein.
Deswegen wird um Mittenacht der Brautstrauß in die Runde geworfen.  Wer insgeheim schon wollte, sich aber bisher  nicht getraut hat, kann dann mutig zu den Strauße  greifen und es so dem Zukünftigen durch die Blume sagen:  Spätestens in 6 Jahren heiraten wir!  Traut dich doch mal, mir einen Antrag zu machen! Ich will ja!“
Zur Trauung darf auch das Abendmahl nicht fehlen, entweder klassisch  hier in der Kirche, oder modern-profan - pro fanum, vor dem Gotteshaus -  als Sektempfang mit Knabbereien auf dem Kirchhof. Da ist klar: Es geht nicht nur um  geistig trockene Dinge. Auch allerbester Wein gehört dazu, prickelnden, lösend und lockernd, wie einst bei Jesus auf der Hochzeit zu Kana..
 „Dies ist der neuen Bund in meinem Blut“, sagte er beim letzten Abendmahl. Wir  erinnern damit  auch an die anderen Dinge, die dunklen Seiten wenn die Seele blutet,  Missverstehen, Verrat und Verleugnung, bis hin zur Kreuzigung und einer  Höllenfahrt; der ganze Schmerz eines leidenschaftlichen Lebens; die Angewiesenheit auf Vergebung.  Der Blick auf Jesus Christus wird  dann zum Trost, der uns hält und trägt, in guten und erst recht in bösen Tagen. Da ist noch Hoffnung. Die Geschichte wird  gut ausgehen, mit einer Himmelfahrt und einem Platz im Paradies zur Rechten Gottes.
 Bis zu diesem guten Ende im Himmel  wünsche ich euch, dass ihr auch hier auf Erden noch viele gute Dinge erlebt, machen interessanten Gast begrüßen könnt und euch natürlich untereinander immer wieder güßt -  mit dem heiligen Kuss. 

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