Inhalt:
„Peer Gynt“ von Henrik Ibsen ist urwüchsig, brachial, eine derb-drastische, saft- und kraftvolle Volksdichtung. Die neue Fassung „Peer Gynt-Häuten & Hoffen“ versucht diesen Urgedanken nicht zu ersetzen- aber das Hinzuziehen eines modernen Jugendlichen (Peter), der hin und wieder in das Spiel mit eingreift, ermöglicht den direkten Kontakt mit den Fragen, die von Szene zu Szene behandelt werden.
„Die Draufgänger“ zeigen ihren Gynt als Unterschicht-Balg, der mit der Mutter in einer schäbigen Baracke haust. Er ist unzufrieden und eingeengt im dörflichen Milieu- gedemütigt durch seine Armut. Die Sehnsucht endlich Auszubrechen schafft sich Raum und äußert sich in seinen erfundenen (?) Geschichten.
Dem Zuschauer geht es wie der armen Mutter Aase: Man findet ihn furchtbar – und kann ihm doch nicht böse sein.
Ibsens Peer Gynt ist kein guter Mensch, man könnte ihn auch als Halunken sehen. Er schwängert, lügt, und betrügt. Er gibt sich nicht mit der schleimigen Hausmannskost zufrieden – er möchte mehr erreichen… Er entwickelt sich zum gewissenlosen Großkapitalisten und falschen Propheten. Sympathisch an ihm sind allerdings seine grenzenlose Phantasie und seine Konsequenz. Peer Gynt muss ohne Rücksicht auf Verluste immer mitten hindurch, immer auf der Suche nach dem Selbst, nach seinem Ich.
Wie buchstabiert man Glück? Wie ist der Mensch in seiner Natur beschaffen? Ist Liebe möglich? Zu was ist der Mensch fähig? Ist Hoffnung auf ein gutes Ende eine naive romantische Vorstellung- und muss diese immer enttäuscht werden?
Das Bühnenbild ist sehr schlicht und abstrakt gehalten, um immer wieder die tatsächliche Reise des Peer Gynt in Frage zu stellen. Vielleicht sind es echte Erlebnisse- vielleicht nur Reisen im Kopf…
Mit ganz einfachen, aber phantasievollen theatralen Mitteln, mit ständigen Rollen- und Kostümwechseln wird die rüde Dorfgesellschaft, die geilen Sennerinnen und die eklig-brünstigen Trolle zu einem rasanten Mix von Traum und Wahn. Die Zuschauer stolpern mit Peer von Szene zu Szene und schicht um Schicht entsteht ein Bild von den Lebensinhalten des Menschen. "Peer Gynt- Häuten & Hoffen": Ein Theaterabend, der jung und alt bewegen wird...
